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26.09.09

Neue Islamisten-Videos: Win-Win-Situation für Regierung und Terroristen

Wenige Stunden vor der Öffnung der Wahllokale in Deutschland sind neue Videos im Web aufgetaucht, in denen islamistische Gotteskrieger vor Anschlägen warnen. Nach der Internationalen Dschihad Union und Al Kaida (sogar Bin Laden nutzte für seine letzte Botschaft deutsche Untertitel) nun also die deutschen Taliban aus Afghanistan mit einem professionell produzierten Video.



Für den CDU-Innenminister und die Dschihadisten führt diese Medienoffensive zu einer regelrechten Win-Win-Situation: Die Gotteskrieger bekommen eine noch nie dagewesene Medienöffentlichkeit, selbst wenn ihre Vertreter vor roten Plüschvorhängen absurdes Zeug absondern. Und die gegenwärtige Regierung kann sich mit schwerbewaffneten Bundespolizisten vor Bahnhöfen und Flughäfen als Garant für unsere Sicherheit aufspielen.

Gleichzeitig wird Stimmung für weitergehende Angriffe auf die Demokratie (wie zum Ausstattung des Verfassungsschutzes mit Polizeifunktionen) gemacht. Und das Engagement für einen sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan lässt sich auch noch schön diffamieren. Schließlich ist das auch die Hauptbotschaft der diversen Drohvideos.

Und wenn bis morgen (hoffentlich) weder der Frankfurter Flughafen, noch das Brandenburger Tor oder gar die neue Rügen-Brücke Opfer eines Terroranschlages geworden ist? Dann freuen sich trotzdem sowohl CDU/CSU wie Taliban über ihre gelungene Kampagne. Denn den Nutzen haben beide davon.

30.04.09

Wer ist der Taliban-Maulwurf?

Erst die Kanzlerin, nun der Außenminister. Wenn deutsche Spitzenpolitiker in Afghanistan zum vorher streng geheimgehaltenen Truppenbesuch erscheinen, hagelt es gezielt Raketen. Zwar sind Angela Merkel und Franz-Walter Steinmeier den Taliban-Angriffen zum Glück entgangen, einfache Soldaten haben hier meist mehr Pech. Doch wie kommt es, dass ein Sprecher der Islamisten nach dem Angriff auf Steinmeier in Kundus stolz verkünden konnte: "Wir wussten von der Visite". Die mörderische Attacke sei "ein Zeichen für den deutschen Außenminister gewesen".
Trotz der extremen Geheimhaltung des Überraschungsbesuchs des SPD-Kanzlerkandidaten am Hindukusch muss - so ist heute zu hören - nach den Erkenntnissen westlicher Geheimdienste der Aufenthaltsort Steinmeiers den Taliban "fast minutiös" bekannt gewesen sein. Das wirft eine Menge Fragen auf. Haben die Gotteskrieger einen Maulwurf in der SPD-Führung? Oder im deutschen Sicherheitsapparat? In der Bundeswehr-Spitze?

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ddp gibt es inzwischen "klare Hinweise", dass die Taliban mittlerweile gute Gewährsleute von Islamisten in Deutschland haben, die sie "auf dem Laufenden halten". Doch woher sollen die Kenntnis von den Reiseplänen des Bundesaußenministers haben? "Auf bisher ungeklärter Weise haben die Taliban ihre Finger in deutschen Stellen drin", sagte ein Geheimdienstexperte in Kabul der Nachrichtenagentur. 

Nun sind westliche Nachrichtendienste und islamistische Terrorzellen mitunter sehr eng verquickt. Aber dass dies auch in umgekehrter Richtung funktioniert, hätte ich nicht gedacht.

18.01.09

"Al Hafidh Abu Talha - Der Deutsche": Fake-Video oder blutiger Ernst?

Passend zu dem Selbstmordanschlag vor der deutschen Botschaft in Kabul vom Samstag taucht jetzt plötzlich ein YouTube-Video aus dem vergangenen Herbst in den Medien auf (Details dazu im Datenwachschutzblog).

Wer ist dieser maskierte Mann, der sich "Al Hafidh Abu Talha - Der Deutsche" nennt und vor der Kamera mit einer russischen Panzerfaust RPG-7 possiert? Über die Fußball-EM und abgeschlagene Ballak-Köpfe schwadroniert er auf deutsch ebenso wie über die aktuelle Finanzkrise und die Bundeswehreinsätze in Afghanistan. Ist das Ganze nur ein Fake oder gibt es den deutschsprachigen Taliban, der nach eigenen Worten "seit 1993 den Wunsch hat, sich für Allah in die Luft zu sprengen" wirklich?

"Eure Soldaten sind nirgends sicher", warnt der Vermummte in dem al-Qaida-Werbefilm mit dem Titel "Germany's Rescue Plan" (Rettungsplan für Deutschland) und fordert den Abzug der Bundeswehr vom Hindukusch, da der Krieg dort eh nicht zu gewinnen sei. Angeblich hat er bereits im Irak gekämpft und sollte auch vom Verfassungsschutz angeworben werden. Das dreiteilige Video ist mit arabischen Untertiteln und dem Logo von As Sahab unterlegt - einer Organisation, die bereits mehrfach Al-Qaida-Filme produziert hat.


Das Bundesinnenministerium nimmt die Sache offensichtlich ernst und erklärte dazu heute:

"Den deutschen Sicherheitsbehörden ist das Video bekannt. Es wird derzeit ausgewertet. Seine Diktion bestätigt erneut die Einschätzung der Sicherheitsbehörden, dass sich Deutschland im Zielspektrum des islamistischen Terrorismus befindet."
Wenn er tatsächlich von einem Verfassungsschutzmitarbeiter kontaktiert worden ist, dessen (Tarn)name "Thilo Karov" der Vermummte im Video nennt, sollte seine Identität ja wohl schnell herauszubekommen sein. Oder ist das Ganze eine Geheimdienst-Aktion, um die Angst im Land zu schüren?

Dieser Film und sein Inhalt passt ganz gut zu meinem Regional-Krimi "Aktion Störtebeker", wo ja ein Anschlag auf die neue Rügen-Brücke geplant wird und auch eine RPG-7 zum Einsatz kommen soll (die der Mann übrigens in dem Film tatsächlich vor laufender Kamera abfeuert). Islamistische Terroristen können da durchaus hinter den Angriffen stecken - mehr kann ich leider jetzt noch nicht verraten.

Aber ich muss gestehen: Mit einem solchen Video Werbung für meinen Krimi zu machen, käme mir dann doch nicht in Sinn - auch wenn der PR-Effekt sicher ziemlich groß wäre. Aber dazu ist das Thema viel zu ernst.

Nachtrag:
Inzwischen hat das Bundeskriminalamt den Dschihadisten, der im Video ständig drohend seinen Zeigefinger reckt, nach eigenen Angaben identifiziert. Demnach verließ er in der ersten Hälfte des Jahres 2007 Deutschland und ließ sich in einem Ausbildungslager im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet zum bewaffneten Gotteskrieger ausbilden. Der Mann soll außerdem Kontakte zu Führungskreisen von al-Qaida haben. Zum Video sagte BKA-Sprecher Christian Brockert: „Wir halten es für authentisch.“ Gegen Deutschland werde eine erhebliche Drohkulisse aufgebaut. Auffällig sei der detaillierte deutsche Bezug und die explizite Nennung des deutschen Afghanistan-Engagements.

Bei dem Vermummten soll es sich um Bekkay Harrach handeln, der 1977 in Marokko geboren wurde, aber schon länger im Rheinland lebte. Er ist in Bonn aufgewachsen, war Student der Mathematik und hat einen deutschen Pass. Deutschen Sicherheitskreisen soll er unter dem Kampfnamen "Abu Talha al-Maghribi" bekannt sein, was "der Marokkaner" oder "der Maghrebiner" bedeutet. Er stand in Bonn schon lange unter Beobachtung, weil er sich in radikal-islamischen Kreisen tummelte. Dann tauchte er plötzlich 2007 im Grenzgebiet Pakistan/Afghanistan auf, wo wohl auch das Drohvideo entstand. Angeblich soll er dort eine Ausbildung in einem Trainingslager von al-Qaida durchlaufen haben und heute zu deren Führung gehören.

Eine Analyse des Videos gibt es auch im Sicherheitsblog.